Brunsbüttel












FOTOKUNST RAINER MARIA STARK

Interview von Jens Neumann mit Rainer Maria Stark, erschienen am 30.10.2010 in der „Norddeutschen Rundschau“

RAINER MARIA STARK AUF DER BERLNER LISTE 2010 RAINER MARIA STARK AUF DER BERLNER LISTE 2010

Wir schauen, aber sehen nicht mehr

Die Landschaft an Elbe und Nordsee inspiriert Fotokünstler Rainer Maria Stark aus Brunsbüttel

Mit seinen wie gemalt wirkenden Fotografien möchte Rainer Maria Stark die Betrachter anregen, ihre Umwelt neu zu entdecken. Seit drei Jahren lebt der gebürtige Sauerländer in Brunsbüttel. Über seine Motivation und den Blick für die Natur äußert sich der 52-jährige Fotokünstler im Gespräch.

Herr  Stark, am 10. Oktober ist die „Berliner Liste“, eines der größten Kunst-Events in der Bundeshauptstadt, zu Ende gegangen. Was war das für ein Gefühl, erstmals mit eigenen Fotografien vertreten zu sein?
Die Anspannung war schon sehr groß, ob die auf Leinwand gedruckten Fotografen dem kunstverwöhnten Berliner Publikum und Fachbesuchern aus aller Welt Stand halten können. Nach ersten Fragen, ob die Bilder wirklich fotografiert sind, und vielen positiven Kommentaren der fast 900 Standbesucher von „genial“ bis „abgefahren“, schwebt man dann nur noch auf Wolke 7.

Die Ausstellung gilt als „Entdecker-Messe“ für junge Talente: Um seine Arbeiten präsentieren zu können, muss man aber doch schon entdeckt worden sein?
Natürlich ist eine entsprechende Vita mit der Teilnahme an jurierten Kunstausstellungen eine Voraussetzung, um überhaupt als Talent eingestuft zu werden. Und mit 52 Jahren bin ich ja auch noch recht jung.

Algen besetzte Steine, Quallen am Strand, die aufgebrochene Rinde eines Baumstammes: Sie richten den Fokus gezielt auf landschaftliche Details. Was fasziniert Sie daran?
In unserer hektischen und rastlosen Zeit blicken wir allzu oft nur in die Ferne. Wir schauen, aber wir sehen nicht mehr. Ich möchte mit meinen Bildern die Menschen anregen, wieder genauer hinzuschauen und ihre direkte Umwelt neu zu entdecken.

Sehen Sie die Natur denn mit anderen Augen?
Mit der Kamera versuche ich verborgene Impressionen, wie zum Beispiel einen Bachlauf mit Treibholz, sichtbar zu machen: Der Mensch, voller Unruhe, Chaos und Vergänglichkeit im Spiegelbild der Natur.

Formen, Farben, Strukturen – liegt darin Ihre Inspiration?
Ja, total. Hier in Dithmarschen gibt es eine unendliche Fülle an Motiven, in denen sich Farben, Formen und Licht zu einem ungewöhnlichen Erlebnis vereinen und ganz neue Wahrnehmungen hervorrufen, sei es eine rostende Schiffswinde in der Abendsonne oder eine Wattstruktur bei Mondschein.

Im April 2011 werden Sie in der „Agora Gallery“ in New York ausstellen. Wie ist es dazu gekommen?
Aus Versehen. Eigentlich wollte ich bei einem von der Galerie ausgeschriebenen Wettbewerb teilnehmen. Die Bewerbung ging aber direkt an die Direktorin. Vier Wochen später sprach mich Angela Di Bello an, ob ich Interesse an einer Zusammenarbeit hätte. Ihrer Meinung nach würden die Motive genau den New Yorker Kunstgeschmack treffen.

Ist das der Einstieg aufs internationale Parkett?
Während der Berliner Liste kamen Anfragen für Ausstellungen in Zürich, Miami und Mexiko City. Nächstes Jahr plane ich neben New York noch eine Ausstellung in Krakau. Letztlich ist das keine Frage der Kunst, sondern der Kosten, die mit jeder Ausstellung verbunden sind. Kunst muss man sich leisten können, auch als Künstler!

Nach dem Studium mit den Schwerpunkten Fotografie und Maltechniken an der Uni in Siegen waren Sie unter anderem als Fotoreporter im In- und Ausland tätig. Warum haben Sie sich letztlich für die Kunst entschieden?
Kunst wird gemacht. Das gilt nicht nur für die Kunstwerke. Der Arbeitsaufwand wurde immer größer und ließ sich nicht mehr nebenbei bewerkstelligen. So habe ich mich entschlossen, einen Traum zu verwirklichen und als freischaffender Künstler „berufstätig“ zu sein.

Und dafür ist Dithmarschen der richtige Ort?
Schon als Kind war ich fasziniert von dem Land zwischen Elbe und Nordsee. Als gebürtiger Sauerländer kam ich 1989 in meine Wahlheimat Schleswig-Holstein und lebe seit drei Jahren mit meiner großen Liebe und Muse Dr. Halina Kocjan in Brunsbüttel. Mit ihrer Unterstützung und einer unendlichen Motivation hat meine Frau diesen Erfolg erst möglich gemacht.


S T A T E M E N T
In unserer hektischen und rastlosen Welt geht der Blick für unser Dasein auf dieser Erde oftmals verloren. Wir schauen, aber wir sehen nicht! Die Kamera dient der Sichtbarmachung verborgener Impressionen: Der Mensch, voller Unruhe, Chaos -> read more



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